Was versteht man unter "Komplexitätsmanagement"?

Der Begriff "Komplexitätsmanagement" tritt immer häufiger auf? Was versteht man aber genau darunter?

Verschiedenste (technische) Systeme werden zunehmend komplexer und komplizierter, weil die heutzutage ständig steigenden technischen Möglichkeiten ausgenutzt werden, um möglichst viele Funktionalität in den Produkten zu bieten. Oft wird dabei aber ein Teufelskreis losgetreten.

Steigende funktionale Anforderungen an die Produkte bedingen eine steigende System-Komplexität, welche in der Regel reduzierte Robustheit verursacht. Diese führt wiederum zu einer zusätzlichen Steigerung der Anforderungen, usw.

Unter Komplexitätsmanagement verstehen wir, dass man die Komplexität eines bestimmten Systems bewusst so gering wie möglich und nur so hoch wie unbedingt nötig gestaltet, um die notwendige Funktionalität zu gewährleisten.

Dies beinhaltet im Wesentlichen folgende Maßnahmen:

  • Einführung von Kennzahlen zur quantitativen Beurteilung der Komplexität und Formulierung von geringstmöglicher Komplexität als Entwicklungsziel (Komplexität für sich stellt keinen eigenen Wert dar, außer für vielleicht einen einzelnen Entwicklungsingenieur, wenn dieser sicherstellen will, dass sich niemand außer maximal ihm selbst auskennt)
  • Einführung von quantitativer Konfliktanalyse, um Anforderungskonflikte zu identifizieren und nach Möglichkeit zu eliminieren (nicht-aufgelöste Anforderungskonflikte bedingen in der Regel eine unnötige Erhöhung der Systemkomplexität)
  • Einführung eines dezidierten Robustheitsmanagements, weil dieses sofort die negativen Auswirkungen der Komplexität aufzeigt und beherrschbar macht (vgl. Was versteht man unter "Robustheitsmanagement?")

 

Zuletzt aktualisiert am 2016-10-05 von Andreas Kuhn.

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